DE_SCRIPT_ION – Yin Yi – Klangbilder

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Yin Yi arbeitet mit Klang. Seine Werke sind Sound-Installation, Teppiche aus Geräuschen, die meist dem Alltag entnommen sind. Sie präsenteren ein anderes Bild von der Welt, liefern dem Besucher seiner Ausstellungen die Möglichkeit, die Welt anders zu „sehen“.

Diese Klangbilder können unsere Wahrnehmung sowohl sensibilisieren, als auch kritisch hinterfragen. So besteht die Arbeit Four Metronoms and Sound of four Metronoms aus vier Metronomen, welche alle stillstehen. Gleichzeitig hört man vier unterschiedlich schnell schlagende Metronome. Es stellt sich dir Frage, was der Unterschied zwischen der visuellen und der akustischen Wahrnehmung ist. Und ob wir die Objekte rein akustisch wahrnehmen können?

In anderen Arbeiten fängt Yin Yi die Geräuschkulissen verschiedener Städte ein. Laut dem Künstler klingt jede Stadt anders. Im Alltag nehmen wir solche Differenzen kaum wahr – Yin Yi führt sie uns vor Augen indem er uns zum Zuhören auffordert und uns dadurch ganz neue Perspektiven und Erkenntnisse vermittelt.

Der Klang dient ihm als Sprache, als Medium, welches Inhalt nicht nur in Form von Gesprochenem, sondern vielmehr durch ein weit größeres Spektrum an akustischer Wahrnehmung vermitteln kann.

Neben seiner Sound-Kunst arbeitet der Künstler mit Videos, Installationen, experimenteller elektronischer Musik und Phonographie. 2013 lud ihn das Rockbund Art Museum in Shanghai ein die Ausstellung SAVAKA – Asia Experimental Music Currents zu kuratieren.

Biographie
Geboren 1978 in Shanghai

DE_SCRIPT_ION – Carsten Benger – Aspekte der Erzeugung von Realität

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„ (…) Wobei man sich fragen kann, ob dem die Geschichte gehört, der sie erzählt oder gehört sie dem, der sie erlebt hat? Und bleibt es immer dieselbe Geschichte, auch wenn man sie mit anderen Worten erzählt?“
Carsten Benger, Sound of Dissappointment

Carsten Benger stellt in seinen Arbeiten häufig die Frage nach der Realität. Was ist real? Wann ist es real? Wodurch wird es zur real?

So nimmt Donauturm die demokratische Erzeugung von Realität im Web 2.0 in Augenschein. Auf 30 Farbkopien hat der Künstler chronistisch die Wikipedia-Debatte  um die Klassifizierung des Donauturms festgehalten – Fernsehturm oder Aussichtsturm? Immer wieder wird die Realität neu ge- und umgeschrieben, die Wikipedia-Gemeinde liefert sich über mehrere hundert Seiten hinweg einen Streit darüber.

Neben dem konzeptionellen Anteil kann man Bengers Arbeiten im weitesten Sinne durchaus einen literarischen Charakter zusprechen. Denn meist dient dem Künstler Sprache in Form von Wort und Text als Material für seine Werke. Damit begibt er sich, rein formal gesehen, in enge Verwandtschaft zu Künstlern wie Hanne Darboven, Tacita Dean oder auch Nasan Tur. Anders als bei diesen kann bei Benger jedoch der Inhalt, der über die Schrift transportiert wird, existentieller Bestandteil der Arbeiten sein, er könnte aber auch ein reines Gedankenspiel sein.

Oft sind die Texte Geschichten, deren Kern transformiert wird. Sie werden, wie in Sound of Dissappointment, aus der Fiktionalität allein durch ihre Erzählung und künstlerische Aufarbeitung in die Realität überführt. Womit wir wieder am Anfang wären. Denn wem gehört die Geschichte und wann ist sie real?

Biographie
2007-08 TAIK – University of Art – Helsinki
2006-12 Hochschule für Bildende Künste Hamburg

DE_SCRIPT_ION – Liang Yue – Die Sprache der kleinen Dinge

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Baumwipfel im Wind, Nahaufnahmen von Blättern, Wasser das über Steine rinnt, atmosphärische Lichtstimmungen am Horizont und dann Details aus dem Stadtleben, Kleinigkeiten, welche am Rande geschehen – Liang Yue erkundet in ihren Arbeiten Aspekte des Alltags, welche normalerweise übersehen, ignoriert oder als unbedeutend abgetan werden.

Sie hat ein Auge für diese kleinen Momente, die so trivial erscheinen und doch so voller Potenzial stecken. Mit der Kamera einmal eingefangen und oftmals vergrößert erlangen sie eine neue Bedeutung. Sie werden mit einer Wertigkeit aufgeladen die uns als Betrachter zur Reflektion zwingt. Sind die sogenannten banalen Alltags- und Naturszenarien wirklich so belanglos? Oder wohnt ihnen vielmehr etwas inne, was wir jenseits der Schnelllebigkeit der modernen Gesellschaft erst wiederentdecken müssen?

Liang Yue lässt dem Betrachter Zeit, sich auf den Diskurs einzulassen. Ihre Videos sind ruhig, leise, entschleunigt, arbeiten oftmals mit nur einer Einstellung und ohne Ton und vermeiden Schnitte. Zeit verliert an Bedeutung, die Werke sind fast schon meditativ.

Die Künstlerin nähert sich der Wirklichkeit über eine Reduktion der Mittel, eine „Purifikation“ des Eindrucks an. Ihre Bildsprache gewinnt so eine einmalige und poetische Klarheit, welche dem Betrachter die Kleinigkeiten des Lebens auf subtile und doch einprägsame Art und Weise vor Augen führt.

Durch diese andere Präsentation von allgemein Nebensächlichem verschiebt sie den Blickwinkel und ermöglicht eine Hinterfragung der Wahrnehmungskonventionen, die durchaus philosophische Züge annehmen kann.
Doch neben aller Reflektion geht es Liang Yue vor allem um eins: um Emotion. Diese wird insbesondere durch die Lichtstimmung und das Spiel mit den Farbeinstellungen evoziert. In Videoinstallationen wie den Quiet Rooms (2013) schafft sie so ein den Betrachter umfangendes, raumfüllendes Konzept, welches temporär die Möglichkeit eines Ortes bietet, an welchem Bedeutungen eliminiert und Dinge für neue Wertkonzepte freigestellt werden.

Biographie
geboren 1979 in Shanghai
2001 Shanghai Fine Art college

Einzelausstellungen
2013 LIANG Yue: The Quiet Rooms, ShanghART H-Space, Shanghai, Video Bureau Archive 10: LIANG Yue, Video Bureau, Beijing
2011 Numerous, Liang Yue’s Solo Exhibition, Shanghai
2010 Shanghai Candid: Women In Motion, San Francisco Arts Commission Gallery, U.S.A.
2009 Liang Yue Residency at the Foto Museum Province of Antwerp, Belgium
2007 An Exhibition, Wellside Gallery, Shanghai
2006 For the Time Goes By…- LIANG Yue Solo Exhibition, Shanghai
2005 Stop Dazing, Liang Yue photos & videos
in 2003-2005, BizArt Center, Shanghai
2003 Several Dusks, ShanghART Gallery, Shanghai
2002 Liang Yue: Don’t Think About Anything, BizART, Shanghai

DE_SCRIPT_ION – Katja Lell – Von Mathematik und anderen künstlerischen Sprachen

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Physikalische Phänomene, der Mathematik entnommene Graphen oder diagrammatische Zeichnungen – immer gehen Katja Lells Arbeiten von der Frage aus: Wie können wir Dinge beschreiben?

Oftmals entstehen dabei Kombinationen aus verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten. In ihrem dreiminütigen Video-Loop Light as a wave, p.13 kombiniert sie abstrakte physikalische Abbildungen mit einem aus dem Off gesprochenen poetischen Text. Beides sind Formen von Sprache, auch wenn sie höchst unterschiedlich funktionieren. Und doch sind sie kombinierbar und ergänzen sich zu einem höchst komplexen Bild der Wirklichkeit; stellen eine Suche nach einer eigenen, einer persönlichen Sprache dar, welche bestmöglich geeignet ist, die subjektiven Eindrücke der Realität wiederzugeben.

Schon der Hamburger Künstler K.P. Brehmer, welcher von 1971 bis 1997 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg lehrte und 1972 und 1977 auf der documenta vertreten war, versuchte in den 70er Jahren mit der Verarbeitung von Statistiken eine andere Form des Ausdrucks zu generieren. Lell geht noch einen Schritt weiter, wenn sie nicht nur die Sprache der Mathematik benutzt, sondern diese ad absurdum führt, indem sie sie mit anderen Sprachen konfrontiert.

In ihren Arbeiten verwendet sie vorgefundene Materialien wie Abbildungen aus naturwissenschaftlichen Büchern die sie mit Hilfe von Fotografie oder Video in neue Kontexte setzt Daneben experimentiert sie mit naturwissenschaftlichen Techniken, die sie unkonventionell einsetzt wie zum Beispiel der Auflösung von Papier durch Wasser.

Wichtig ist Lell in ihrem Schaffen der Austausch. Gerade im Dialog mit anderen Künstlern, sagt sie, müssen eigene Positionen ständig hinterfragt und reflektiert werden. So entstanden bereits vor dem Projekt DE_SCRIPT_ION in Kooperation mit anderen Künstlern Gemeinschaftsprojekte.
Biografie
geboren 1987
lebt und arbeitet in Hamburg

Ausstellungen (Auswahl)
Ein Raum und der hätte keine Richtung, Bundeskunsthalle, Bonn, 2012
FFM:HH, Kunstverein basis e.v., Frankfurt, 2013
Golden Arbeit/Material Beton, Arthur Boskamp Stiftung, 2014

Stipendien
DAAD Förderung Auslandsaufenthalt Sao Paulo 2011
Preisträgerin des Hiscox Art Award 2012
Förderung von Kunstfonds Bonn, Hamburgische Kulturstiftung, Albert Einstein Stiftung
Berlin für das Gruppenprojekt “Material Beton” 2012-13
Art School Alliance Stipendium für Studienaufenthalt am Goldsmiths College London 2013
CliSAP Stipendium “Artist Researcher” 2011

DE_SCRIPT_ION – English Version

DE_SCRIPT_ION
Conversations on Language and Art – A Tribute to Hanne Darboven
Archive, workshop and exhibition as part of Hamburg ChinaTime 2014

With:
Yue Liang
Yin Yi
Katja Lell
Carsten Benger

Feat:
Hanne Darboven
Almir Mavignier

„I write, but I don‘t describe anything.“

Is there a universal reading of art? The artists Liang Yue and Yin Yi from Shanghai and Katja Lell and Carsten Benger from Hamburg will deal with this question in the context of ChinaTime 2014. The initial point is the common examination of the work of Hanne Darboven and Almir Mavignier.

The invention of scripture is one of the most conspicuous achievements of culture. Whether our European alphabet or the Chinese calligraphy – the concern has always been to articulate something, to document or to pass on information. So what happens when scripture is no longer readable? If it consists of a sign system we don‘t know, for example of the Chinese calligraphy? Scripture also raises more fundamental philosophical problems: How do we make sense of sense, if the written signs are not to be understood as a mediator of a somehow definable content, but on the contrary only make sense as shapes with an intrinsic aesthetic value? If so, is it then possible to generate a universal code, a form of text that is understandable to anyone?

DE_SCRIPT_ION attends to this questions relating the multiple different and artistically relevant functions of scripture in a Chinese-German artist-exchange program. With this, the project takes up the issue of this year’s ChinaTime committing itself to explore the fascinating Chinese ideography and calligraphy.

Yue Liang and Yin Yi from Shanghai and Katja Lell and Carsten Benger from Hamburg will engage in an intensive investigative dialogue on the possibility of a universal code.

The basis of their work is the oeuvre of Hanne Darboven who deceased in 2009. Since the 1960 years Darboven ranks among the internationally most well known German artists. Her work has been shown several times on the documenta (1972, 1982, 2002). Early in her career she got to the bottom of the border between scripture and image and developed her own „image-scripture-language“. To be classified as part of the movement of Concept Art, her works request the viewer to „read“ them.

Is the art of someone like Hanne Darboven through its textualisation culturally specific and, therefore, culturally limited? Or is it possible to generate an universal „art-scripture“ that could be understood interculturally and globally? These are the questions at stake in the the project DE_SCRIPT_ION. An artistic-philosophical quest for new aesthetic shapes of an intercultural communication.

The results of the cooperation will be shown at FRISE from November 12th to November 23th 2014. The opening takes place on Wednesday November 12th at 20h.

FRISE, Künstlerhaus Hamburg e.V.
Arnoldstraße 26, 22765 Hamburg

Opening Hours: Fr – So 16h-20h and on request

Artists Shanghai: Yue Liang and Yin Yi
Artists Hamburg: Katja Lell and Carsten Benger
Mentors Shanghai/Hamburg: Wu Shanzhuan & Inga Svala Thorsdottir
Art-Consultant Shanghai: Thomas Füsser
Press: Anne Simone Krueger
Technics: FRISE/ABZ
Production: Künstlerhaus Hamburg e.V./ FRISE
Artists in Residence Program: FRISE in cooperation with Kulturbehörde Hamburg,
Julia Dautel and Dr. Bilinc Ercan
Loans: Hanne Darboven Foundation and Galerie Renate Kammer

In cooperation with Hanne Darboven Foundation, Hamburg
With friendly support of Kulturbehörde Hamburg

DE_SCRIPT_ION

DE_SCRIPT_ION
Conversations on Language and Art – Eine Hommage an Hanne Darboven
Archiv, Workshop und Ausstellung zu Hamburg ChinaTime 2014

Mit:

Yue Liang
Yin Yi
Katja Lell
Carsten Benger

Feat.:
Hanne Darboven
Almir Mavignier

FRISE_artist_ChinaTme 2014

“Ich schreibe, aber ich beschreibe nichts” (Hanne Darboven)

Gibt es eine universelle Lesart von Kunst? Mit dieser Frage beschäftigen sich im Rahmen von ChinaTime 2014 die Künstler Liang Yue und Yin Yi aus Shanghai und Katja Lell und Carsten Benger aus Hamburg. Ausgangspunkt ist die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Werk Hanne Darbovens und Almir Mavigniers.

Die Erfindung der Schrift gehört zu den wohl bedeutendsten Errungenschaften von Kultur. Ob nun unser europäisches Alphabet oder chinesische Kalligraphie – immer geht es darum Information zu formulieren, zu dokumentieren und weiterzugeben. Was geschieht jedoch, wenn die Schrift für uns nicht mehr lesbar ist? Wenn sie etwa aus einem uns unbekannten Zeichensystem besteht, zum Beispiel der chinesischen Kalligraphie? Oder aber nicht den Anspruch hat Inhalt zu vermitteln, sondern ausdrücklich ihrer selbst wegen als Form einer eigenen Ästhetik existiert? Ist es dann möglich, einen allgemeinen universellen Code zu generieren, eine Form von Text der jedem verständlich ist?

Dieser Frage nach der anderen, der künstlerischen Funktion von Schrift widmet sich DE_SCRIPT_ION mit einem chinesisch-deutschen Künstleraustausch-Programm und greift damit das Thema der diesjährigen ChinaTime auf, die sich besonders dem Faszinosum der chinesischen Schriftzeichen und der Kalligraphie verschrieben hat. Yue Liang und Yin Yi aus China und Katja Lell und Carsten Benger aus Hamburg werden sich über einen Zeitraum von einem Monat hinweg in intensivem Dialog mit der Erforschung eines universellen Codes beschäftigen.

Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist dabei das Werk der 2009 verstorbenen Künstlerin Hanne Darboven. Seit den 1960er Jahren zählte Darboven zu den international renommiertesten Künstlern und war nicht zuletzt gleich mehrere Male auf der documenta vertreten. Hanne Darboven begann sehr früh die Grenzen zwischen Schrift und Bild auszuloten und entwickelte eine eigene „Bild-Schrift-Sprache“. Einzuordnen in die Bewegung der Konzeptkunst fordern ihre Arbeiten den Betrachter dazu auf, sie „zu lesen“.

Ist die Kunst einer Hanne Darboven durch ihre Verschriftlichung nun kulturspezifisch geprägt und konnotiert, oder lässt sich interkulturell global verständliche “Kunst-Schrift” aus “Schrift-Kunst” der einzelnen Länder entwickeln? Genau an diesem Punkt setzt das Projekt DE_SCRIPT_ION an und macht sich auf die Suche nach neuen künstlerischen Formen der interkulturellen Kommunikation.

Die Ergebnisse der Kooperation sind vom 12. November 2014 bis zum 23. November 2014 in den Räumen der FRISE, Künstlerhaus Hamburg e.V. zu sehen. Die Eröffnung der Ausstellung findet am Mittwoch den 12. November um 20 Uhr statt.

FRISE, Künstlerhaus Hamburg e.V.
Arnoldstraße 26, 22765 Hamburg

Öffnungszeiten: Fr. -So. 16 -20 Uhr oder auf Anfrage

Künstler Shanghai: Yue Liang und Yin Yi
Künstler Hamburg: Katja Lell und Carsten Benger
Mentoren Shanghai/Hamburg: Wu Shanzhuan & Inga Svala Thorsdottir
Art-Consultant Shanghai: Thomas Füsser
Presse: Anne Simone Krüger
Technik: FRISE/ABZ
Produktion: Künstlerhaus Hamburg e.V./ FRISE
Artist in Residence Program: FRISE in Kooperation mit der Kulturbehörde Hamburg, Julia Dautel und Dr. Bilinc Ercan
Leihgaben: Hanne Darboven Stiftung, Galerie Renate Kammer
Konzept und Leitung: Michael Kress

Besonderer Dank: Almir Mavignier, Jörg Plickat, Renate Kammer

In Kooperation mit der Hanne Darboven Stiftung, Hamburg
Mit freundlicher Unterstützung der Kulturbehörde Hamburg

Anne Simone Krüger

Mit 40 Freunden und 8 Videos um die Welt – Michael Buckley und Sue McCauley

The Hawker's Slipper1

Sie machen sich den Raum zueigen, bevölkern ihn, ohne um Erlaubnis zu fragen, haben keine gültigen Reisedokumente dabei. Die großformatigen Arbeiten zeigen in äußerster Reduktion Doodles, Kritzeleien. Die etwa 40 Charaktere haben, neben den Unterschieden in ihrem Ausdruck und ihrem Erscheinen doch eines gemeinsam: sie alle entstammen der Phantasie des Künstlers Michael Buckley.

Der Australier Michael Buckley und seine Frau Sue McCauley, welche die Ausstellung kuratiert, wagen mit dem Projekt Here to There – Imaginary Friends and Distant Journeys“ Ungewöhnliches: sie überschreiten die Grenzen zwischen Hochkunst und Streetart, konfrontieren den White Cube des Galerie-Raumes mit einer Ästhetik, die einen ganz anderen Ursprung hat. Damit wird der Rahmen der Institution Galerie bis ans Limit ausgelotet und gleichzeitig die Frage nach neuen Formen der Präsentation aufgeworfen.

Das formale überschreiten der Kunstgrenzen ist jedoch nur ein Nebenaspekt der Arbeit, ein Mittel um den Inhalt zu unterstreichen. In erster Linie geht es Michel und Sue darum, die Misstände in der Flüchtlingspolitik aufzuzeigen. Die imaginären Freunde nehmen hierbei die Rolle eine Platzhalters ein, sie verbillichen des Prozess des Eindringens in einen abgegerenzten Raum. Der lebhaften Phanatsie des Künstlers entsprudeln sie ohne sich bändigen zu lassen, in 14 Tagen Aufenthalt in Hamburg hat er 40 von ihnen erschaffen.

 

Neben den „Imaginary Friends“ werden auch Videoarbeiten gezeigt. Diese sind genauso nachdenklich und ebenso vielfältig, jedoch häufig stiller als die turbulenten und Aufmerksamkeit erheischenden Zeichnungen. In The Hawker’s Slipper 2010 folgen wir einem Mann, der seine zerlaufenen Plastiksandalen mit Bändern an seinen Fesseln befestigt hat und sie hinter sich herzieht, während er ein Stück neu gebauten Highways abschreitet. Die 15 minütige Arbeit behandelt das Trauma des Genozids in Kambodscha, aber auch den wachsenden Einfluss der urbanen Entwicklung auf die Ärmsten der Armen, die Strassenhändler von Phnom Penh, welche gewaltsam vertrieben werden.

Michael und Sue sind ihr Leben lang gereist, waren in unzähligen Ländern und haben dort ein ungeheures Repertoire an Eindrücken, Bekanntschaften und Begebenheiten gesammelt. Diese sind häufig die Grundlage der Videoarbeiten, welche diese Reisen, soziale Misstände in aller Welt und die Kolonialisierung, aber auch so schwer greifbare Themen wie Suizid und Verlust behandeln.

Michael Buckley hat mit seinen Filmen immer wieder Preise gewonnen, seine Frau Sue McCauley erhielt zuletzt 2014 eine Auszeichnung durch den australischen Kunstrat.

Vom 17. September bis zum 28. September besteht die Möglichkeit, das kosmopolitische Projekt der beiden in den Räumen der Frise zu besichtigen.

Die Eröffnung ist am 17.9. um 20 Uhr.

Anne Krüger