Sella Hasse Kunstpreis 2014: we are visual, Kyung-hwa Choi-ahoi, Cordula Ditz

Wer dieser Tage den Ausstellungsraum der FRISE betritt fühlt sich zunächst als Zaungast, schwankend zwischen den Gefühlen eingesperrt oder ausgesperrt zu sein. Mitten im Raum hängen freischwebend Stücke von Drahtzäunen unterschiedlichster Machart und zwingen den Betrachter, sich labyrinthartig zwischen ihnen hindurch zu bewegen, die Seiten zu Wechseln und unterschiedliche Sichtweisen einzunehmen. Das Künstler-Kollektiv we are visual (Marc Einsiedel und Felix Jung) befasst sich in dem Projekt „Zaun“ mit der Thematik der Absperrung im öffentlichen Raum. Neben den in den Ausstellungsraum transferierten Zäunen, welche allesamt Fundstücke sind, zeigen we are visual Fotografien urbaner Begrenzungen.

we are visual

Genauso kritisch, jedoch auf stillere Art und Weise, sind die Arbeiten von Kyung-hwa Choi-ahoi. Ihr Medium sind Papier und Zeichenstift, mit denen sie subjektive Eindrücke der Großstadtbewohner und ihrer Lebensumstände auf schlichte und gleichzeitig überraschend eingängige Art und Weise festhält. Überraschend insofern, als die kleinformatigen Zeichnungen so unprätentiös wirken und doch im Gedächtnis haften bleiben, zumal sie dem Betrachter Vertrautes und Alltägliches vor Augen führen. Diese kleinen Momente des Alltags jedoch verwandeln sich durch die Bildwürdigkeit, die die Künstlerin ihnen durch die Auswahl zuspricht, in subjektiv historisch bedeutsames Geschehen.

Leere Orte, verlassen, unheimlich, apokalyptisch Visionen beschwörend zeigt Cordula Ditz in ihrer Videoarbeit „A Bankrupt Heart“. Die surreal anmutenden Szenen hat die Künstlerin im in der Innenstadt teilweise verlassenen Detroit und der ehemaligen Goldgräberstätte Rhyolite im Death Valley gemacht.

 

cordula_ditz_abankruptheartstill

So unterschiedlich die drei Preisträger und ihre Arbeiten sind, so sehr kreisen sie im Kern doch um die gleiche Thematik. Ganz im Sinne der Namenspatronin des Preises, der Künstlerin Sella Hasse (1878 – 1963), welche für ihre sozialkritischen Arbeiten bekannt ist, setzen sich auch die hier gezeigten Werke alle kritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinander.

Die durch den Sella Hasse Verein bestimmte Jury hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus den eingesendeten Bewerbungen diejenigen Arbeiten zu prämieren, die „sich mit herausragender Qualität sowie Eigenständigkeit und Überzeugungskraft“ im Sinne Sella Hasses mit der Gegenwart beschäftigen.

Das Ergebnis dieser Auswahl ist noch bis zum 14.9. in der Frise zu sehen. Zur Ausstellung  ist eine Publikation erschienen.

Anne Krüger

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