DE_SCRIPT_ION – Carsten Benger – Aspekte der Erzeugung von Realität

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„ (…) Wobei man sich fragen kann, ob dem die Geschichte gehört, der sie erzählt oder gehört sie dem, der sie erlebt hat? Und bleibt es immer dieselbe Geschichte, auch wenn man sie mit anderen Worten erzählt?“
Carsten Benger, Sound of Dissappointment

Carsten Benger stellt in seinen Arbeiten häufig die Frage nach der Realität. Was ist real? Wann ist es real? Wodurch wird es zur real?

So nimmt Donauturm die demokratische Erzeugung von Realität im Web 2.0 in Augenschein. Auf 30 Farbkopien hat der Künstler chronistisch die Wikipedia-Debatte  um die Klassifizierung des Donauturms festgehalten – Fernsehturm oder Aussichtsturm? Immer wieder wird die Realität neu ge- und umgeschrieben, die Wikipedia-Gemeinde liefert sich über mehrere hundert Seiten hinweg einen Streit darüber.

Neben dem konzeptionellen Anteil kann man Bengers Arbeiten im weitesten Sinne durchaus einen literarischen Charakter zusprechen. Denn meist dient dem Künstler Sprache in Form von Wort und Text als Material für seine Werke. Damit begibt er sich, rein formal gesehen, in enge Verwandtschaft zu Künstlern wie Hanne Darboven, Tacita Dean oder auch Nasan Tur. Anders als bei diesen kann bei Benger jedoch der Inhalt, der über die Schrift transportiert wird, existentieller Bestandteil der Arbeiten sein, er könnte aber auch ein reines Gedankenspiel sein.

Oft sind die Texte Geschichten, deren Kern transformiert wird. Sie werden, wie in Sound of Dissappointment, aus der Fiktionalität allein durch ihre Erzählung und künstlerische Aufarbeitung in die Realität überführt. Womit wir wieder am Anfang wären. Denn wem gehört die Geschichte und wann ist sie real?

Biographie
2007-08 TAIK – University of Art – Helsinki
2006-12 Hochschule für Bildende Künste Hamburg

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