AKI INOMATA: HAMBURG ILLUSTRATED ENCYCLOPEDIA

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AKI INOMATA: HAMBURG ILLUSTRATED ENCYCLOPEDIA. A YOKOHAMA – HAMBURG PORT-JOURNEY EXCHANGE PROJECT

 

Auf den ersten Blick würde man kaum erwarten, dass Werke von solcher Schlichtheit und Poesie gleichzeitig so existentielle Fragen unseres menschlichen Seins thematisieren. Doch der japanischen Installations-, Video- und Fotokünstlerin Aki Inomata gelingt genau dies. In ihren Arbeiten verbindet sie Schönheit und Kritik, Ästhetik und Reflektion. Sie lässt Gedanken zu Bildern werden und Bilder zu Spiegeln unserer selbst.

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In Aki Inomatas Ausstellung mit dem Titel HAMBURG ILLUSTRATED ENCYCLOPEDIA zeigt die Künstlerin sechs Arbeiten. Alle handeln letztlich von einer Art interkulturellem Austausch, von Unterschieden und Kommunikation – jedoch jeweils auf ganz eigene Weise.

 

In Why not Hand Over a „Shelter“to Hermit Crabs? 2010-2013 verbildlicht sie den friedlichen kosmopolitischen Standortwechsel. Einsiedlerkrebsen hat sie, mithilfe eines 3D-Druckers, transparente künstliche Gehäuse in Form verschiedener internationaler Städte geschaffen. Die Tiere haben die neuen Unterschlüpfe angenommen und je nach Wachstum mit einer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit ausgetauscht, welche den Betrachter mit der Frage zurücklässt, warum Grenzen nicht auch für die Menschheit dergestalt zu überqueren sind.

 

Auch World outside your World, 2011 handelt vom Weltbürgertum, von der Weltsicht im alten Indien und unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen. In French Lessons with a Parakeet, 2010 wird Sprache als Kommunikationsmittel behandelt, gleichzeitig aber auch die Befremdlichkeit vieler Menschen gegenüber diesem Medium. In I Wear the Dog‘s Hair, and the Dog Wears My Hair, 2014 beleuchtet Aki Inomata das Zusammentreffen zweier Spezies in einem Mikrokosmos und gleichzeitig die Frage, inwieweit wir uns anderen Gruppen gegenüber korrekt oder aber höchst egoistisch benehmen.

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Tiere als Spiegel unseres Verhaltens sind ein Motiv, welches sich durch fast alle Arbeiten Inomatas zieht. In girl, girl, girl …, 2012 gibt sie Sackträger-Raupen kleine Teile von Haute-Couture Stücken als Material für ihre Kokons und behandelt damit ein in Japan offensichtlich präsentes Gender-Thema. Denn die weiblichen Raupen verweilen in ihrem Kokon, bis sich ihnen die zum Schmetterling verwandelten männlichen Tiere nähern. Auch hier lässt sich anscheinend die Struktur auf das menschliche Verhalten übertragen – wieso betreiben Frauen soviel Aufwand um sich zu präsentieren und sind gleichzeitig so zurückhaltend, wenn es darum geht sich zu emanzipieren? Gleichzeitig ist auch hier Kommunikation ein Kernpunkt der Arbeit: die Kommunikation zwischen den Geschlechtern und gleichzeitig der kulturelle Austausch, da sich der europäische Betrachter unweigerlich damit auseinandersetzen muss, ob er die Problematik genauso empfindet, oder sich doch Unterschiede abzeichnen.

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Neben den 5 bereits in Japan gezeigten Werken hat Aki Inomata eine Installation direkt vor Ort und mit unmittelbarem Bezug zu Hamburg geschaffen. Die den Ausstellungstitel gebende Arbeit HAMBURG ILLUSTRATED ENCYCLOPEDIA versammelt Dinge, welche Inomata von Menschen zusammengetragen hat, mit denen sie vor Ort in Kontakt gekommen ist. Diese Objekte, welche sie mit der Stadt und ihren Bewohnern verbinden, hat sie gezeichnet und sich so angeeignet. Wir als Betrachter können uns in Inomatas ganz subjektiver Wahrnehmung unserer Umgebung und Alltagswelt spiegeln: denn die Zeichnungen schwimmen auf Elbwasser. Damit gibt die Künstlerin uns die Möglichkeit unsere Stadt mit anderen Augen zu betrachten, mit japanischen Augen.

 

 

Anne Krüger